„Wär so gerne wie die anderen, wie sie scheinbar funktionieren“ – gleich im Opener „Nichts ist leicht“ singt LOVE A-Vorturner Jörkk einen Schlüsselsatz. Und wer ihn kennt – ein bisschen kenne ich ihn, seit er 2000, frisch aus dem Saarland exiliert, ein Praktikum in der Ox-Redaktion machte und seither Teil meines Kosmos ist –, der weiß, dass sein Erstaunen über die Tatsache, irgendwie anders zu sein und daran nichts ändern zu können, ihn umtreibt.
Klar, die in seinem Umfeld auch, denn außer, dass er ein guter Kumpel und feiner Kerl ist, ist er beispielsweise ein begnadeter Prokrastinator, dem freilich nach einem Grinsen mit diesen schönen neuen Zähnen später keiner mehr böse sein kann.
Und um dieses Funktionieren nach fremden Regeln geht es viel auf diesem Album, schon dem vierten von LOVE A aus Köln/Hamburg/Trier. Das weiß man, weil – spannende Beobachtung – LOVE A eine Band sind, bei der man jede einzelne Textzeile versteht.
Kein Gebrülle, keine Gitarrenberge, die die Vocals verschütten, sondern Jörkks erstaunlich gereifte Stimme ist immer klar im Vordergrund. Dass das (mittlerweile) funktioniert, für mich und überhaupt, ist immer noch die große Überraschung, denn ULTRAFAIR einst und zu Beginn LOVE A, das war für mich ein Killerkriterium: Dein Kumpel will Sänger sein und du findest es nicht gut – bis er es irgendwann tatsächlich draufhat und du das neidlos eingestehen musst.
Was ich hiermit tue ... ... und damit zum anderen wichtigen Aspekt einer Band wechsle, der immer dann, wenn eine Person, stimmlich und von der Bühnenpräsenz her, so klar im Vordergrund steht, etwas in den Hintergrund tritt: die Musik.
Unglaublich, wie LOVE A auch in dieser Hinsicht gereift sind, was Stefan (Gitarre), Dominik (Bass) und Karl (Schlagzeug) auf „Nichts ist neu“ zaubern. Zu Beginn waren sie – Verzeihung! – irgendwie so eine Indierock-Band mit eben diesem exaltierten Sänger, der scheinbar lieber „richtigen“ Punk gemacht hätte.
Mit dem neuen Album, produziert von Robert Whiteley aus Trier, den die älteren von uns noch als Sänger der famosen LEWD PRANK kennen, ist alles neu für mich: LOVE A haben einen extrem zwingenden, eigenen Sound entwickelt, mittlerweile mit einer schweren, drängenden, druckvollen Post-Punk-Kante.
Das ist so Achtziger, wie das die EDITORS in ihren besten Zeiten waren (minus Keyboard), mit diesem hohen, sirrenden Gitarrensound, darunter ein wummernder Bass und ein echt guter, sehr variabler Schlagzeuger.
Da geht alles, und man fragt sich, was alle Welt an dieser unsympathischen Schrottband DRANGSAL findet. Elf Songs sind auf „Nichts ist neu“, „all killers, no fillers“, alles Unikate, allen voran „War klar“ und „Unkraut“, obwohl, „Nichts ist leicht“, oder „Sonderling“, oder ...
Ein ganz großes Album, so viele bessere können dieses Jahr gar nicht mehr kommen.
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