Ab 2017 wurde der russische Film- und Theaterregisseur Kirill Serebrennikow zu einer unfreiwilligen Berühmtheit, weil ihn die russische Justiz basierend auf fadenscheinigen Veruntreuungsvorwürfen anklagen und unter Hausarrest stellen ließ, und der erst im April 2019 aufgehoben wurde.
Während jenes Hausarrests stellte Serebrennikow den Spielfilm „Leto“ fertig, der im April 2018 in Cannes Premiere feierte. „Leto“ spielt Anfang der Achtziger in Leningrad und zeichnet lose die Biographie des in der Sowjetunion legendären Rockmusikers Viktor Robertovich Tsoi nach, Jahrgang 1962, gestorben 1990 mit gerade mal 28 Jahren bei einem Autounfall.
Da war Tsoi auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit seiner Band KINO, die 1982 gegründet worden war, aber erst 1987 mit ihrem sechsten Album ihren Durchbruch erlebt hatte, was wohl etwas mit der gewachsenen Freiheit in der Sowjetunion zu tun hatte in Zeiten von Gorbatschows Perestroika-Politik.
Anfang der Achtziger, der Film muss also wohl 1982/83 spielen, ist davon noch nicht die Rede, aber, so man dem Film denn einen gewissen realen Hintergrund zusprechen kann, war der Eiserne Vorhang doch nicht so hermetisch, wie man sich vielleicht dachte.
Bands wie TALKING HEADS, BLONDIE und VELVET UNDERGROUND kannte man auch in russischen Rock-Kreisen, ihre Musik spielt in „Leto“ in verschiedenen Szenen eine tragende Rolle. Serebrennikows Film ist kein klassisches Biopic über eine Band, eher die seltsam surreale Beschreibung der Stimmung eines Sommers, des Lebens junger Menschen zwischen bleierner Sowjetgesellschaft und dem von der Musik verkörperten Geruch der Freiheit.
Er wirkt mehr wie eine Theaterinszenierung als ein Spielfilm, ist so spröde-unkonkret wie interessant.
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