POLITIK DES ESSENS

Harald Lemke

Wenn wir Lebensmittel und Kleidung einkaufen, wenn wir Auto fahren, in den Urlaub fliegen, immer ist unser Handeln politisch. Immer üben wir Einfluss aus, auf die Umwelt, die Lebenssituation anderer. Speziell die Politik des Essens ist es, die der Philosoph Lemke hier näher unter die Lupe nimmt.

Dabei behandelt er sehr ausführlich die Welthungerproblematik und verschiedene Lösungsansätze. Zeigt auf, was wir als einzelne Individuen tun können, sei es spanische Tomaten zugunsten von Bio- beziehungsweise Fairtrade-Waren stecken zu lassen, sei es ein Biokisten-Abo zu beziehen, sei es sich an der Volksküche im Jugendclub oder dem Gemeinschaftsgarten ums Eck zu beteiligen.

Lemke betrachtet aber auch die andere Seite der Medaille, diejenigen, die von Regierungen und Wirtschaft ausgebeutet werden, diejenigen, die sich dagegen wehren. Der französische Käsebauer, der aus Reaktion auf erhöhte Einfuhrgebühren seiner Waren in den USA eine McDonald’s-Filiale demontiert hat, die mexikanischen Bauern, die als Zapatista-Bewegung neuen Aufschwung in die linke Szene und fairen Handel auf den Weg bringen konnten.

Lemke beschäftigt sich mit der Überfettung der Gesellschaft, setzt sich mit Slow-Food auseinander. Dabei gibt es allerhand interessante Fakten zu lesen, einige Anregungen für das eigene Kauf- und Ernährungsverhalten mitzunehmen.

Hie und da fällt es Lemke mit seinem philo- und gastrosophischen Ansatz schwer, auf den Punkt zu kommen, das schränkt den Lesefluss ein. Speziell das Kapitel über vegane Ernährung leidet darunter.

Aber die McDonald’s-Kids und Plastikschalentomaten-Junkies werden wohl ohnehin nicht zu diesem Buch greifen.