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PLEIL

Keine Zeit

Marco Pleil hat schon unzählige Bühnen und Backstageräume gesehen. Seit den Neunzigern ist er Teil der Frankfurter Musikszene. Mit seinen Indie-Bands STRANGE und CLOUDBERRY war er jahrelang unterwegs. Bei SCUMBUCKET, einem Projekt von BLACKMAIL-Gitarrist Kurt Ebelhäuser, war er Gastmusiker. Vor zwei Jahren kam sein erstes Soloalbum „Die Spur des Kalenders“ heraus. Seitdem präsentiert der Mann aus dem Odenwald seine Songs eher sanft, minimalistisch und latent melancholisch. Der Nachfolger „Keine Zeit“ kommt als Doppelalbum. Neben zwölf neuen gibt es als Bonus noch sieben alte, bisher unveröffentlichte Songs mit rund 16 Minuten Spielzeit. Hätte locker alles auf eine CD gepasst, aber Pleil hat sich für eine Doppel-CD entschieden. Aufgenommen hat Pleil im Bear Cave Studio in Köln, gemischt hat Nicolas Epe (ILLEGALE FARBEN, GORILLA CLUB). Die Songs von Pleil erinnern akustisch stark an Indie-Klassiker der Achtziger wie THE SMITHS, THE CURE oder R.E.M. Flanellhemden, C64 und Kajal. Waldsterben, atomare Bedrohung, korrupte Despoten. Hä? Moment mal, so ist es doch heute auch? Trotz dominanter Gitarre bietet „Keine Zeit“ keinen akustischen Punkrock, sondern Midtempo-Songs mit vielen Loops und elektronischen Spielereien. Verletzlich, vertraut und verträumt. Manchmal ein bisschen zu lahm.